«Es macht mich traurig, dass er diesen Weg alleine bestreiten muss»

Der Vorstand von Njira. Weitere Infos zum Verein findet ihr unter: www.njira.org
Der Vorstand von Njira. Weitere Infos zum Verein findet ihr unter: www.njira.org

Der Verein Njira wurde anfangs 2020 von fünf jungen Menschen aus der Region Pfäffikon gegründet. Ihr Anliegen ist es, Hilfesuchende und Helfende zusammenzubringen. Märiän Gerber hat mit dem Vorstandsmitglied Pascal Frei über den Verein und ihre Vision dahinter gesprochen.

 

 

Was hat es mit eurem Namen auf sich?

Njira heisst «der Weg» (in Chichewa, die Amtssprach von Malawi ). Wir wollen Menschen in schwierigen Lebenssituationen unterstützen. Aber nicht mit einem konkreten Angebot, wie zum Beispiel mit Deutschunterricht oder Rechtsberatung. Solche Gratisangebote gibt es in der Schweiz ja schon viele – und die machen es alle sehr gut! Wir wollten ein Angebot schaffen, das die Menschen dorthin begleitet und mit ihnen diesen Weg bestreitet. Wir unterstützen beim Termine abmachen, fragen nach, wie es gelaufen ist oder begleiten die Leute auch zu schwierigen Terminen. Darum fanden wir, dass «Njira» gut passt.

 

Wie konkret wollt ihr Wegbegleiter sein?

Wir haben zwei Hauptprojekte. Einerseits die Einzelbegleitung und andererseits die Päckli-Aktion an Weihnachten. Bei der Einzelbegleitung wollen wir soziale Integration, administrative Unterstützung und die Verknüpfung mit Institutionen bieten. Es gibt auch Einzelbegleitungen, da geht es einfach darum, Freundschaft zu bieten. Die Personen gehen zusammen Schlitteln, gratulieren zum Geburtstag. Solche Details sind uns wichtig, denn die gehen oft bei den offiziellen Institutionen unter.

Wir haben uns einfach entschieden, dass wir politisch unabhängig und konfessionslos sein wollen und auch bleiben. Bei uns steht das Helfen im Zentrum.  

 

Was braucht es, damit man bei euch mithelfen kann?

Unser Verein arbeitet nach dem Motto «füreinander, miteinander». Die Helfer melden sich und wir koordinieren das Ganze. Was die Helfenden mitbringen müssen, ist sehr offen – und wir wollen uns da auch nicht einschränken. Wir setzen keine Erfahrung in bestimmten Bereichen voraus. Es braucht nicht viel mehr als den Willen, zu helfen, und etwas Zeit. Es gibt Leute, die es sich nicht zutrauen und Angst haben, dass sie etwas kaputt machen. Aber ich denke nicht, dass man einen Schaden anrichten kann, indem man jemandem Aufmerksamkeit schenkt. Es gibt auch Leute, denen eine Einzelberatung ein zu grosser Aufwand ist. Aber es gibt auch Einzeleinsätze, wie beim Zügeln oder Streichen einer Wohnung helfen.

 

Wie läuft es ab, wenn man sich bei euch meldet?

Es gibt ein Aufnahmegespräch, ein erstes Kennenlernen. Da wird dann auch angesprochen, was die Grenzen sind. Und auch die Schweigepflicht ist uns wichtig. Wir schliessen eine Art Vertrag ab, den beide Parteien unterschreiben, in dem auch steht, dass vertrauliche Dinge für sich behalten werden.

 

Nach der Vermittlung nehmen wir regelmässig mit den Helfenden Kontakt auf und machen eine Art Supervision. Da kann man dann auch über schwere Dinge sprechen und es werden Ziele definiert, die man gerne erreichen möchte. Aber wir wollen nicht zu bürokratisch werden. Es ist ein Herzensanliegen – kein Helfen auf professioneller Basis, sondern auf freundschaftlicher.

 

Wieso ist euch der Einsatz für Menschen in Not wichtig?

Ich glaube, darauf gibt es keine eindeutige Antwort. Jeder hat seine eigene persönliche Geschichte. Bei mir ist es so, dass ich merke, dass die Menschlichkeit in der ganzen Bürokratie untergeht. Nehmen wir zum Beispiel einen Menschen mit Fluchthintergrund: Das ist ein Mensch, der hier ist; der seine Familie zurückgelassen hat und hier irgendwie verloren ist. Klar, kann er dann jeden Tag gratis in einen Deutschkurs – aber es macht mich traurig, dass er diesen Weg alleine bestreiten muss. Es wäre doch schön, wenn er jemanden hätte, der ihn fragt, wie es ihm geht. Für mich ist es wirklich diese Menschlichkeit im Alltag, die ich manchmal vermisse.

 

Dann könnte auch ich euch um Hilfe anfragen?

Ja. Wir setzen keine Grenzen, wer hilfsbedürftig ist und wer nicht.

 

Es kommt mir vor, als seid ihr ein Geschenk an die Gesellschaft – damit wir wieder lernen können, was Helfen heisst. Vielen Dank für das inspirierende Gespräch!

 

 Weitere Infos zum Verein findet ihr unter: www.njira.org